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Pixelhelden


Pixelhelden

In dieser Rubrik geht es um Helden. Nein, nicht um normale Helden wie den Feuerwehrmann oder einen Arzt, auch nicht um die Helden unserer frühesten Kindheit, ob sie nun Winnetou oder Captain Future heißen, real oder fiktiv sein mögen.
Die Männer und Frauen, die wir nun und in Zukunft vorstellen möchten, sind sogenannte Pixelhelden, Geschöpfe aus Videospielen, die uns über viele Stunden und Tage hinweg begleiteten, mit denen wir gelitten, uns gefreut und geflucht hatten und die uns selbst nach Abschluss ihrer vorberechneten Abenteuer keine Ruhe ließen. Wir dachten darüber nach, was sie wohl noch erleben würden, freuten uns über Fortsetzungen oder schrieben sie gar selbst, wenn es abzusehen war, dass ihre Schöpfer sie nicht noch einmal auf die Bildschirme unserer Wohnzimmer loslassen würden.
An dieser Stelle lassen wir die Helden selbst zu Wort kommen. Sie stellen sich uns vor, ohne ihren Namen zu verraten. Ein wenig Grips und Gehirnschmalz ist jetzt also von euch Lesern gefordert.
Erinnert ihr euch noch? Wer könnte es wohl sein?

Computer

Schaut in eure Regale und lasst einfach den Blick über die unzähligen Pappboxen und DVD-Cases schweifen. Mit Sicherheit findet ihr den Helden dieser Ausgabe dort und wenn nicht, verraten wir am Ende, wo man ihm auch heute noch begegnen kann.
Seid ihr bereit?

„Ich bin ein Dieb. Schon als kleines Kind schlug ich mich mehr recht als schlecht mit Taschendiebstählen durchs Leben. Meine Eltern starben so früh, dass ich mich kaum an sie erinnern kann.
Eines Tages versuchte ich, die Taschen eines Mannes zu leeren, der aussah, als würde es sich lohnen. Er war sehr überrascht, dass ich ihn überhaupt wahrgenommen hatte, denn er gehörte zu einer Vereinigung, die sich auf ihre Fahnen geschrieben hatte, stets im Geheimen und Verborgenen zu agieren, sozusagen für die übrige Welt unsichtbar zu werden und es auch zu bleiben. Und dann kommt da so ein kleiner Hosenscheißer wie ich und versucht, ihm die Taschen zu leeren. Mit anderen Worten: Er sah Potenzial in mir und bot an, mich auszubilden. Was ich tat? Nun, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul und so sagte ich Ja zu einer Schlafstatt, die nur mir gehören würde und drei mehr oder weniger warmen Mahlzeiten am Tag.
So wurde ich in den folgenden Jahren in der Kunst der Unsichtbarkeit unterrichtet, lernte in den Schatten zu wandern und das Licht und den Lärm als unliebsame Begleiter zu meiden. Am Ende meiner Ausbildung jedoch kehrte ich dem geheimen Bund, der mich aufgenommen hatte, den Rücken, denn der ganze Bücherstaub und die Prophezeiungen, über denen mein Mentor ständig brütete, langweilten mich schon bald. Stattdessen zog es mich zurück in die Gassen der Stadt, die ich aus meiner Kindheit kannte. Einige Menschen in der Stadt waren reicher als ihnen gut tat, aber zum Glück hatten sie ja mich. Mit meinen neu erlernten Fertigkeiten machte ich mir alsbald einen Namen, den die Leute mit Respekt oder Verachtung aussprachen, je nachdem, ob ich sie gerade ausgenommen oder ihnen ein gutes Geschäft beschert hatte.
Die Nacht gehörte mir allein, alles andere, was ich zum Lebensunterhalt und darüber hinaus benötigte, klaute ich mir aus Truhen und Taschen, aus Grüften und geheimen Safes zusammen, während die Erdenbürger sanft in ihren Betten schlummerten, da nur ehrlose Typen wie ich um diese Zeit arbeiten mussten.
Oft genug arbeite ich im Auftrag gewisser, nun, nennen wir sie der Einfachheit halber Geschäftspartner, die etwas haben wollen, was noch ein Anderer besaß. Nicht selten sitze ich inmitten eines solchen einfachen Geh-dorthin-nimm dies-und-bring-es-mir-und-ich-belohn-dich-fürstlich-dafür-Auftrages derart knietief in der Scheiße, weil mir meine Auftraggeber etwaige wichtige Details vorher verschwiegen haben; mechanische Wächter oder unbekannte, aber durchgängig tödliche Fallen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Mit Wachleuten komme ich ja noch zurecht. Sie sind leicht zu umgehen, wenn auch hartnäckig, wenn sie einen erst einmal entdeckt haben, doch was stellt ein Dieb mit hungrigen Echsen, garstigen Riesenspinnen und schlurfenden Zombies an, besonders wenn es sich bei letzteren um die gut ausgebildete und bewaffnete Sorte handelt? Ein Hieb mit meinem geliebten Knüppel reicht da oftmals nicht aus und meine Fähigkeiten mit dem Schwert sind nur rudimentär zu nennen. Manchmal frage ich mich, warum ich es überhaupt mit mir schleppe, denn ich bin schließlich ein Dieb und kein Mörder.
Meine bevorzugten Waffen sind der bereits oben genannte Knüppel. Dazu kommt ein Bogen, mit dem ich verschiedenste Arten von Pfeilen abschießen kann: Um meine Schritte zu dämpfen, Fackeln zu löschen, die Wachen mit Geräuschen in die falsche Richtung zu schicken und - mein Favorit - höher gelegene Areale per Seil erreichen zu können. Auch die Alchemie leistet mir gute Dienste. Tränke, die heilen oder meine Schritte beschleunigen, gehören ebenso zu meinem Repertoire wie Phiolen mit Weihwasser, die gegen garstige Untote helfen. Ab und an bezahle ich sogar für gute Tipps, die mir bei meinen Aufträgen helfen können, auch wenn sie manchmal ihr Geld nicht wert sind.
Mein Revier sind die dunklen Gassen der Stadt, einsame Herrenhäuser, alte Ruinen und dunkle Gewölbe mit ihren Grüften und darin enthaltenen, unliebsamen Bewohnern. Kein Ziel ist mir zu hoch, kein lohnendes Objekt vor meinen geschickten Fingern sicher, ganz gleich, ob es nun an dem Gürtel ihres Besitzers hängt oder von Fallen und Wachleuten geschützt wird. Ich finde einen Weg.
Alles könnte so einfach sein, wenn ich nicht immer wieder in die Auseinandersetzungen der in der Stadt beheimateten Fraktionen geraten würde, die sich gegenseitig und auch mir ständig das Leben vergällen müssen. Wie die Männer zum Beispiel, die in der Stadt für Recht und Ordnung sorgen und ein Werkzeug anbeten. Diese Narren! Narren zwar, aber gefährlich, denn sie leiten auch die berüchtigten Gefängnisse der Stadt, in denen es nicht so munter zugeht wie in den unzähligen Schenken. Ich nage lieber eine Woche am Hungertuch, als nur eine Nacht die „Gastfreundschaft“ dieser Leute in Anspruch nehmen zu müssen. Sie verachten die alten Rituale, die dunklen Wälder und alles, was dem Fortschritt und ihren Glaubensgrundsätzen widerspricht. Sie sind Fanatiker. Allerdings von den meisten Bewohnern der Stadt anerkannt, auch wenn diese nicht deren Fanatismus teilen.
Die größten Todfeinde dieser Narren sind die Waldbewohner, die das Werkzeug und alle Technik als von der Natur nicht gewollt ablehnen. Was sie nicht gerade zu klügeren Narren macht.
Ich versuche mich aus den Streitereien möglichst herauszuhalten, aber wenn dies nicht möglich ist, dann ziehe ich zumindest meinen persönlichen Nutzen daraus. Gold kennt keine Religion, keine Ideologie und deinem Gegenüber ist es gleich, welches Konterfei darauf geprägt ist, solange es echt ist.
Gefühle? Gefühle waren für mich immer gleichbedeutend mit Geschnappt werden, beides wirkt sich negativ auf meinen Beutel aus. Nicht, dass es nicht die eine oder andere Frau gegeben hätte, die mich schon gereizt hätte, aber wer will schon mit einer Person zusammenleben, die eigenbrötlerisch ist, vor Sarkasmus trieft und stets zu Zeiten unterwegs ist, die andere meiden? Nun, diese Damen jedenfalls nicht.
Ich bin gerne Einzelgänger, nur mir und meinen Bedürfnissen verpflichtet. Ich wandle in den Schatten, bin eins mit der Nacht, die meinen Namen kennt.
Kennst du ihn jetzt auch?“

Raumtrenner

Ich bin sicher, die Leser haben den Namen dieses Mannes bestimmt schon längst erraten. Wer ihn weiß, kann die Antwort im Zeitungsthread in der Witcher-Diskussion posten. Seine Abenteuer (von denen es bislang drei Teile gab, der vierte ist gerade in Arbeit) können zurzeit auf der Seite www.gog.com zu einem Schnäppchenpreis von nur 4,99$ (das entspricht knapp 3,70€) erstanden werden. Aus eigener Erfahrung kann ich nur empfehlen: Zugreifen, denn es lohnt sich wirklich!
Ihr seid aber noch nicht entlassen! Vielmehr liegt es an euch, den nächsten Pixelhelden zu bestimmen. Wer ist euch von früher im Gedächnis geblieben und beschäftigt euch selbst heute noch? Wen sollen wir beim nächsten Mal an dieser Stelle zu Wort kommen lassen? Schreibt uns und vielleicht ist ja gerade dein Pixelheld Gast in unserer nächsten Ausgabe.

(Dan)



Witchers Journal, Jg. 1, Nr. 1 vom 01.07.2013, S. 39-41


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