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Mass Effect 3 – Freud und Leid


von Dandelion

Um 12:56 Uhr am 08. März 2012 erreichte mich endlich die erlösende Textnachricht von DHL auf meinem iPhone: seit diesem Augenblick lag in der Packstation mein, seit dem 08. Juni 2011 vorbestelltes Exemplar von Mass Effect 3 zur Abholung bereit. Neun Monate des Wartens waren endlich vorbei und der letzte Teil der Trilogie um Commander Shepard und seinen unermüdlichen Kampf gegen die Reaper und ihren Verbündeten sollte noch heute auf meinem PC das Licht der Welt erblicken.
Ganz ohne die üblichen Geburtswehen ging es jedoch nicht ab.
Die Abholung an sich war das kleinste Problem. Nach einer kurzen Fahrt auf dem Fahrrad zum Hauptbahnhof, wo sich die Postfiliale nebst Packstation in unmittelbarer Nähe des riesigen Klotz von Polizeirevier befand, zückte ich rasch meine Packstationskarte, gab den Code ein, öffnete das Fach per Berührung des Touchscreen und hielt schließlich das unscheinbar wirkende, mausgraue Päckchen von Amazon in den Händen.
Die wirklichen Probleme begannen erst zu Hause, doch zuvor noch einige Worte zum Inhalt.
Das Päckchen leistete nicht viel Widerstand, sodass das lang erwartete Spiel endlich vor mir lag: die N7 Collectors Edition von Mass Effect 3, die ich mir bei Amazon gute 75 Euro hatte kosten lassen, in der Hoffnung, dass Biowares neuester Streich nebst Beigaben seinen Preis auch wert ist. Die Pappbox, welche das Spiel nebst Dreingaben enthielt, sah jedenfalls schon mal edel aus. Ganz in schwarz gehalten mit einem hervorstehenden, metallisch Silber und Rot schimmernden N7 Logo, auf der Rückseite die obligatorischen Informationen über Inhalt und Systemvoraussetzungen. Bereits hier gibt es allerdings den ersten Wermutstropfen. Das ebenso unvermeidliche USK Logo, das seit einigen Jahren sowohl auf Software als auch DVDs gesetzlich vorgegeben ist, wurde nicht etwa aufgeklebt sondern aufgedruckt. Also ehrlich EA, da bezahlt man soviel Geld für die CE von Mass Effect 3 und es war noch nicht einmal möglich, den ab 16 Flatschen als abziehbaren Aufkleber zu produzieren?
Das es auch anders geht zeigen ausgerechnet die Xbox- und PSP-Variante von Mass Effect 3, denn hier gibt es erfreulicherweise, wie schon seit einiger Zeit bei Filmen auf DVD und Blue-Ray auch, ein USK Wendecover, welches das unansehnliche Logo dorthin verbannt, wo es meiner Meinung nach auch hingehört: aus den Augen und auf nimmer wiedersehen.
Die beiden Spiel-DVDs stecken in einer sehr schön gestalteten, schwarzen Steelbox, die auf der Vorderseite den schussbereiten Male Shepard mit aktivierter Omniblade zeigt, während auf der Rückseite sein weibliches Pendant in derselben Pose zu sehen ist. Dem Steelbook liegen noch der Aktivierungscode und der Code für die CE eigenen Bonusinhalte bei, die automatisch nach Installation des Spieles durch Origin heruntergeladen werden. Dazu gehören:

der digitale Soundtrack zu Mass Effect 3
ein Mechhund-Gefährte auf der Normandy
ein Pack mit alternativ-Outfits für Shepards Gruppenmitglieder
ein N7-Kapuzenpulli für Commander Shepard
ein Elite-N7-Präzisionsgewehr, -Schrotflinte, -MP und -Pistole
eine Bonus-Mission nebst Charakter

Soweit die digitalen Boni. Es gibt jedoch noch einige handfeste Dreingaben, die sich in einer weiteren Papphülle neben dem Steelbook verbergen. Gleich beim Öffnen fällt mir der Stoffaufnäher entgegen, der das bekannte N7 Logo darstellt. Anders, als die Bezeichnung Stoffaufnäher jedoch vermuten lässt, ist dieser mitnichten zur Verwendung mit Nadel und Faden gedacht. Auf der Rückseite befindet sich nämlich Klettgewebe. Wer also noch eine alte Bundeswehrjacke, oder eine andere Uniformjacke besitzt, auf der ein solcher Klettverschluss vorhanden ist, darf sich ab jetzt ein wenig wie Commander Shepard fühlen.
Das siebzig-seitige Artbook ist informativ und aufwendig umgesetzt. Viele Artworks und Konzeptzeichnungen lassen einen tiefer in das Mass Effect Universum eintauchen, auch wenn die Begleittexte leider nur auf Englisch vorhanden sind. Dies trifft auch auf den Limited Edition Comic zu, der Aria, die geschäftstüchtige Asari von Omega, im Kampf gegen eine neue Bedrohung durch Reapertechnologie zeigt. Hervorragende Zeichnungen versüßen einem für einige Minuten den Tag, bis das unerwartete „to be continued“ auf der vorletzten Seite erscheint. Hatte ich wirklich gedacht, dass mir Bioware und EA tatsächlich ein vollständiges Comic in die CE legen würden? Eigentlich schon, da tröstet mich die Information auf der nächsten Seite, dass ich die großartige Geschichte vollständig in der Graphic Novel „Invasion“ käuflich erwerben kann, nicht im Geringsten. Ich fühle mich im Gegenteil ein wenig verarscht.
Der letzte Bonus ist eine Lithografie, welche die neue Allianz Normandy vor kämpferischem Hintergrund darstellt. Ich weiß nicht, was ich mir beim Bestellen unter einer Lithografie vorgestellt hatte, doch bestimmt etwas Größeres und Imposanteres, als dieses bedruckte Stück Pappe in Postkartenformat. Ohne Scherz, ich habe tatsächlich auf der Rückseite die Linien für die Adresse und das markierte Areal für die 45 Cent Briefmarke gesucht. Vielleicht hätte EA besser eine Art holographische Karte beigelegt, ähnlich wie sie bei jedem silbernen Perry Rhodan Band schon seit Jahren üblich sind.
Soviel zum Umfang der N7 CE von Mass Effect 3.
Zurück zu den Geburtswehen.
PC eingeschaltet, hochfahren abwarten, DVD 1 von ME 3 eingelegt und wieder abwarten. Als erstes möchte sich ein Programm namens Origin installieren, wie sich der ehemalige Download Manager von EA jetzt schimpft, was ich zähneknirschend akzeptiere. Von EA als Alternative zu Steam programmiert hatte sich Origin schon zu Beginn keinen guten Ruf erworben; stand es doch in Verdacht, die Festplatten des PC eigenständig zu scannen und installierte Produkte von EA auf die Gültigkeit der Lizenzrechte zu überprüfen. Zudem sollten laut EA Informationen zu Software, Hardware und Medien auf dem PC gesammelt werden, angeblich um die Anwendungen stets aktuell halten zu können. Die wirkliche Intention dürfte jedoch gewesen sein, technische und verwandte Informationen über den Computer und seinen Nutzer zu sammeln, zu speichern, an andere Partner zu übertragen und firmenintern zu nutzen. Wer diese Daten außer EA und seinen unbekannten Partnern noch zu sehen bekommen würde, blieb jedoch weitestgehend im Dunkeln. Nicht nur aufgrund des massenhaften Aufschreis der Gamer-Community änderte EA seinen Origin Lizenzvertrag bereits einige Wochen nach der Veröffentlichung von Battlefield 3, bevor die ersten Klagen von Verbraucherschutz und Datenschutzbeauftragten eintreffen konnten, denn dieser Lizenzvertrag verstieß in seiner ursprünglichen Form gegen etliche Datenschutz- und Verbraucherrechte. Ein gewisses Unbehagen jedoch besteht immer noch.
Nachdem sich Origin erfolgreich installiert und upgedatet hat – mit einem vorhanden EA Konto ist eine Neuregistrierung bei Origin zum Glück nicht nötig – erkennt das Programm meine Mass Effect 3 DVD und beginnt den Download von der Disc. Bis zum Stand von 43 % läuft auch alles wunderbar. Eine Nachricht poppt auf: Bitte DVD 2 einlegen. Gemacht, getan, auf ok gedrückt, doch der Hinweis erscheint wieder und wieder, so oft, wie man ihn auch weg drückt, während der Download munter weiter läuft. Gut, dann lass ich dieses nervige Fenster eben in Ruhe.
Lieber sehe ich mir währenddessen Origin etwas näher an. Origin Beta. So so, naja. Neben dem Mass Effect 3 Feld, in dem der Download der Daten von der DVD in Prozent angezeigt wird, erkenne ich zwei weitere Felder: eins für die Sims 3 und ein weiteres für Dragon Age 2. Im Infofeld zu den Spielen erfahre ich, dass ich Dragon Age 2 am 11. März 2011 gekauft habe. Aha, interessant. Kommt ungefähr hin. Die Sims 3 besitze ich hingegen schon seit einigen Jahren, doch hier belehrt mich das Infofeld, ich hätte es am 20. Januar 2012 käuflich erworben. Wie bitte? Ich glaube ich sollte dringend meine Kontoauszüge überprüfen, nicht dass jemand in meinem Namen Spiele kauft. Zugegeben, Geschmack hätte derjenige zumindest.
Zurück zur Installation.
Endlich nähert sich die Installation ihrem Ende, doch beim Stand von 99 % und einer Restzeit von 00:00:05 stockt der Download. Es tut sich rein gar nichts mehr, das Spiel ist kurz vor der Zielflagge verreckt. Verdammt!
Was ist zu tun?
Ich beende die Installation und versuche es erneut. Die DVD wird nicht erkannt bzw. Autorun startet nicht. Gut, dann eben auf die harte Tour. Mass Effect 3 deinstallieren bzw. löschen und noch mal von vorn. DVD rein, Origin beginnt mit dem Download, doch nicht etwa von der DVD. Nein, diesmal lädt er direkt aus dem Netz, über 4 Stunden soll der ganze Spaß jetzt dauern. Sagt mal, spinnt ihr? Inzwischen beträgt die Zeit für den Download über fünf Stunden. Ich merke, wie es in meinem Inneren zu rumoren beginnt und mein Blutdruck steigt. Wozu habe ich hier die zwei DVDs liegen, wenn das dämliche Programm jetzt das ganze Spiel aus dem Netz zieht? Habt ihr noch alle Kondensatoren auf der Platine? Meine Augenlider beginnen nervös zu zucken, als sich die Dauer des Download der sechs Stunden Marke bedrohlich nähert, im letzten Moment allerdings wieder auf 05:45:07 herunter sackt, gerade noch rechtzeitig, bevor das nervöse Zucken meines Lids zum ausgewachsen Tick mutieren kann.
Erneuter Abbruch. Alle Daten von ME 3 von der Platte geputzt und zusätzlich Origin deinstalliert. Anschließend DVD wieder eingelegt, Autorun abgewartet, Origin wieder installiert und upgedatet und die Installation läuft wieder. Diesmal zum Glück als Download von der Disc. 43 %. Bitte DVD 2 einlegen. Hier hast du sie! Jetzt drücke ich nicht auf ok und, oh Wunder, das Hinweisfenster verschwindet von selbst und die Installation verläuft ohne weitere Probleme bis zu ihrem Ende. Jetzt gebe ich meine Vorbestellercodes ein, von denen mir einer von Amazon per email geschickt wurde. Origin lädt inzwischen alle Bonusinhalte herunter. Sicherheitshalber stoppe ich alle Downloads bis auf einen, warte ab, bis dieser vollständig ist und gebe dann den nächsten frei. Dann endlich ist es vorbei. Nach gut zwei Stunden – gefühlte fünf - sind die Geburtswehen endlich vorüber. Jetzt kann ich Mass Effect 3 starten und schauen, ob Biowares jüngstes Baby so geworden ist, wie es sich viele Spieler gewünscht und erhofft haben, oder ob noch einige Wochen Brutkasten notwendig sind, bis es die notwendige Reife erlangt hat.
Als begeisterter Fan der Mass Effect Reihe habe ich natürlich die ersten beiden Teile auch gespielt und meinen jeweiligen Spielstand von Mass Effect 1 in Mass Effect 2 importiert. Letzteres habe ich erst vor kurzem noch einmal durchgespielt, um einen adäquaten Commander Shepard für den dritten Teil zu haben, denn auch diesmal kann man den letzten Spielstand inklusive des Hauptprotagonisten und all seiner in Mass Effect 2 getroffenen Entscheidungen wieder importieren. Diesmal sollen die Entscheidungen meines Shepards große Auswirkungen auf den Verlauf des Spiels haben. Ich bin mal gespannt.

http://www.witchers-journal.de/media/content/wn22_me3_ezio_s.pngMeinen Commander Dean Shepard erkenne ich sofort wieder. Er sieht sogar noch besser aus als im zweiten Teil, was auch daran liegt, dass Bioware sich mit den Gesichtstexturen im Spiel große Mühe gegeben hat. Sie wirken sehr organisch, auch wenn es manchmal an der Lippensynchronität etwas hapert. Bei hohen Details und Licht scheinen sogar die Kleidungstexturen einen Tick besser auszusehen als noch im Teil davor. Auch die übrigen Texturen wissen zu gefallen, doch mich reißt die Handlung zu sehr mit, um zu penibel darauf zu achten, ob es irgendwo irgendwelche Polygonfehler zu entdecken gibt oder nicht. Mir zumindest ist nichts Gravierendes in dieser Richtung aufgefallen. Manch anderem Spieler mag bestimmt das eine oder andere Detail in Sachen Graphik unangenehm aufstoßen, doch in meinen Augen passt alles zusammen. Ich fühle mich wieder daheim im Mass Effect Universum und lasse mich ganz von der Handlung gefangen nehmen, die mich zu Beginn doch ziemlich an der Hand mit sich schleift. Eigenständige Handlungen sind noch Mangelware, wenngleich ich in den Dialogen die Wahl habe, was ich antworten möchte. Es wirkt ein wenig wie eine Mischung aus interaktiven Film und einigen Sequenzen, in denen ich auch mal stehen bleiben kann, um den Schauplatz bewundern zu können, auch wenn sich die frisch eingetroffenen Reaper alle Mühe geben, um mir diesen Spaß rasch zu verderben, indem sie alles zu zerstören beginnen. Das Sightseeing auf der Erde hatte ich mir wirklich ein klein wenig anders vorgestellt.
Der Spielverlauf dürfte jedem, der die Demo gespielt hat, bekannt sein. Um gleich eine Frage vorweg zu klären: nein, der gute Anderson wackelt noch immer o-beinig über die Dächer, doch diese etwas irritierende Animation kann ich gut verschmerzen. Auf die zweidimensionalen Flüchtlingsklone habe ich allerdings nicht geachtet. Vielleicht werde ich beim zweiten Durchlauf etwas genauer hinsehen.
Obwohl ich noch weit davon entfernt bin, das Spiel komplett durchgespielt zu haben, habe ich jetzt tatsächlich schon die ersten sechseinhalb Stunden hinter mich gebracht, auch wenn sich mir der Eindruck aufdrängt, ich hätte gerade erst begonnen. Zeit für ein erstes Fazit.
Mass Effect 3 spielt sich vertraut, auch wenn Bioware einige Änderungen vorgenommen hat. So gibt es wieder mehr Rollenspielelemente, wie zum Beispiel ein erweitertes Fähigkeitsmenü, in dem man seine Erfahrungspunkte nach belieben verteilen kann, oder dem Programm per automatischen Aufstieg die Entscheidung überlässt, wo die Punkte verteilt werden sollen. Die Ausrüstung der Waffen für jeden Einsatz ähnelt wieder seinem Pendant aus dem ersten Teil. In Geschäften der Citadel, die im Übrigen optisch überholt und räumlich massiv erweitert wurde, sowie an Bord der Normandy über eine Konsole in der Shuttlebucht können neue Rüstungen, Upgrades und alle anderen technischen, wie persönlichen Gegenstände gekauft werden. Die Liste der möglichen Einkäufe ist wesentlich länger als alle Forschungsupgrades des Vorgängers.
Also Achtung, ein Kaufrausch droht, der nur durch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Credits begrenzt ist.
Die aus Mass Effect 2 bekannten Minispielchen wie das umgehen oder hacken von Konsolen, Türen und Pads gibt es nicht mehr. Die Türen öffnen sich selbständig, oder werden per Omnitool geöffnet, Pads kann man sogleich lesen und die notwendigen Credits stehen Commander Shepard auch sofort nach Einsatz des Omnitools zur Verfügung.
Ein neues Feature ist das veränderte Scannen von Planeten. Ging es im ersten Teil noch mühselig per Makko über Stock und Gebirge, so erfolgte dies im Nachfolger bequem per Mausklick vom Weltall aus- In Mass Effect 3 ändert sich hier einiges. Man kann die Planeten bereits in der Sternenkartenansicht scannen, wenn man das jeweilige System angeflogen hat. Eine Scanwelle erfasst die naheliegenden Planeten und zeigt sofort an, auf welchem sich ein genaueres Scannen lohnt. Es werden keine Erze mehr gesucht und abgebaut. Minutenlanges abtasten per rechter Maustaste entfällt somit. Wird etwas interessantes auf einem Planeten entdeckt, fliegt man die Umlaufbahn an, scannt und folgt der weißen Linie bis zum Ursprungsort des Signals, wo man mit der linken Maustaste eine Sonde abfeuert und sein Bergungsgut an Bord der Normandy bringt. In einigen Systemen funktioniert das problemlos, doch in Systemen, in denen bereits die ersten Reaper aufgetaucht sind, ist das Scannen etwas schwieriger. Jede Welle von Scans wird nämlich von den Reapern wahrgenommen und bei einer gewissen Aufmerksamkeitsstufe, symbolisiert durch einen sich füllenden Balken, tauchen oft mehrere Reaper auf, denen man nur durch Flucht durch ein Massenportal oder das rasche Verlassen des Systems entkommen kann. Ein nettes Ausweichspiel für zwischendurch.

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Kämpfe laufen wie im zweiten Teil flüssig und dynamisch ab. Die Gegner scheinen mir etwas intelligenter geworden zu sein. Sie suchen häufiger Deckung und sind nicht selten harte Brocken, besonders die Husks und ihre erweiterten Verwandten. Reichte es im Vorgänger noch aus, den anstürmenden Husks die Beine wegzuschießen, um ihren Vormarsch zu stoppen, so vertragen sie im dritten Ableger eine ganze Menge mehr an Munition, bis sie endlich zu Boden gehen. Die Cerberus Agenten erweisen sich nun als ebenbürtige Gegner, die mit transportablen Geschützstationen und übergroßen Mechs die Pläne des Illusive Man, der noch vor einem halben Jahr unser Freund war und sich aus noch ungeklärten Gründen nun gegen Shepard stellt, zu verwirklichen.
Bioware hat auch das Design der Kampfzonen ein wenig verändert. In den Vorgängern kam man an eine Stelle, an der Barrikaden und ähnliche Hindernisse geradezu dazu einluden, dahinter in Deckung zu gehen, da man, so sicher wie das Amen in der Kirche, gleich auf einen nicht unbeträchtlichen Trupp Feinde stoßen würde.
Auch im dritten Teil gibt es noch Barrikaden, doch inzwischen kann man auch andere Teile des Geländes als Schutz nutzen, wie Felsen, kleinere Vorsprünge und jeden anderen Ort, an dem Shepard freiwillig in die Knie geht. Neu sind auch Leitern, die oft dazu genutzt werden können, um von einem erhöhten Terrain aus unter einem agierende Feinde ins Visier nehmen zu können und sie gezielt auszuschalten.
Bleiben nur noch die Story und Commander Shepards Begleiter, zu denen, neben etlichen alten Bekannten, auch einige neue Gesichter hinzu gestoßen sind. Da wäre zum einen James Vega, ein stiernackiger Marine der Allianzstreitkräfte, der seinen Körper für seine beste Waffe hält und diese dementsprechend trainiert. Er scheint einen hispanischen Hintergrund zu haben, zumindest flucht er im Spiel oft genug auf Spanisch, was sehr erfrischend wirkt.

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Ein anderer Neuzugang ist Lieutenant Steve Cortez, der Shuttlepilot der neuen Normandy, der nebenbei auch noch Reparaturen durchführt und sich um den Nachschub aller Güter kümmert, die Shepard und die Normandy brauchen. Er war auf Ferris Fields, als die Kollektoren die Kolonie angriffen und die Kolonisten entführten, darunter auch seinen Ehemann. Cortez ist der erste rein schwule Charakter im Mass Effect Universum und ein möglicher Partner für den Male Shepard.
Ein besonderer neuer Charakter an Bord der Normandy ist der KI Körper von EDI, der künstlichen Intelligenz der Normandy, die noch von Cerberus entwickelt wurde. Sehr zur Freude von Jeff „Joker“ Moreau, der sich schon bald seiner Gefühle für EDIs neuen Körper kaum erwehren kann.
Wer ansonsten noch einen Auftritt in Mass Effect 3 hat, wird dadurch bestimmt, welche Entscheidungen man in Mass Effect 1 und 2 getroffen und wer am Ende der Selbstmordmission von Teil 2 überlebt hat. Beim derzeitigen Stand der Dinge werde ich wohl Miranda Lawson und Zaeed definitiv nicht wiedersehen. Ansonsten lasse ich mich gerne überraschen.
Trotz meiner sechseinhalb Stunden habe ich nicht das Gefühl, bereits viel von der Story gesehen zu haben. Mein Logbuch ist voll mit Nebenquests und es lohnt sich, auch abseits der Hauptmissionen genauer hinzuschauen, denn überall offenbaren sich kleinere Entscheidungen, die im nachhinein das Kräfteverhältnis zwischen der Allianz der Universumsvölker und den Reapern entscheidend beeinflussen können und sei es nur, wenn es darum geht, ob sich Shepard für die Flüchtlingsfamilie eines Mannes auf der Citadel einsetzt oder nicht.
Noch viele Stunden Spielspaß liegen vor mir und ich fühle mich bereits jetzt bestens unterhalten. Sollte sich Bioware nicht noch storytechnisch grobe Schnitzer leisten, kann ich jetzt schon sagen, dass Mass Effect 3 ein würdiger Abschluss der Mass Effect Trilogie ist.
Ich werde mal rasch an Bord der Normandy zurückkehren, denn eines interessiert mich ungemein: ob es zwischen Joker und EDI richtig funkt oder nicht. Ich höre schon die Glasknochen splittern, während EDI sich tausendmal entschuldigt und Joker leise murmelt: „Keine Angst, Baby, das war es wert...“

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Nachtrag vom 13.03.2012 und 17.03.2012

Dieser Nachtrag enthält SPOILER zum Ende von Mass Effect 3- Wer das Ende selbst erleben will, sollte folgenden Text NICHT lesen!!!

Et Tu, Bioware? (Auch du, Bioware?)

Manchmal ist es wichtig, den Tag nicht vor dem Abend zu loben, da man nie weiß, was einen bis dahin noch erwartet. Ebenso erging es mir mit Mass Effect 3. Gestern Abend habe ich die letzten Szenen dieses Spieles hinter mich gebracht und saß eine ganze Weile wie betäubt vor dem Computer und fühlte eine innere Leere in mir, die sich allmählich mit ungläubigen Entsetzen und heißer Wut zu füllen begann.
In meinem ersten Fazit hatte ich noch angemerkt, dass Mass Effect 3, sollte sich Bioware nicht noch storytechnisch grobe Schnitzer leisten, ein würdiger Abschluss der Mass Effect Trilogie sei. Diesen Eindruck muss ich allerdings an dieser Stelle revidieren, denn obwohl Mass Effect 3 ein tolles Spiel ist, das mich zu 95% gut bis ausgezeichnet unterhalten hat, so haben die restlichen 5% mich nicht nur enttäuscht, sondern die ganze Mass Effect Reihe aus meiner Sicht ad absurdum geführt.
Bioware, du hast es nicht nur geschafft, das Spiel mit den letzten fünf bis zehn Minuten vollkommen zu ruinieren, nein, auch weltweit einen bis dahin noch nie da gewesenen Shitstorm anzustoßen, der seinesgleichen sucht. Es wundert mich, dass der wütende Mob nicht mit Fackeln und Mistgabeln vor eurem Hauptsitz steht, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie sich nicht entscheiden können, ob sie nun Bioware oder doch lieber zuerst The Great Devil EA abfackeln sollen, denen der Hauptteil der Spieler die Schuld an einem desaströses, von Plot-Holes geplagtes und in den Augen von über 90% der Spieler vollkommen unwürdiges Finale einer außergewöhnlichen Trilogie geben.
Doch erst einmal Back to the Roots. Worum geht es eigentlich? Um das Ende von Mass Effect 3. Folgendes war bislang passiert: die Erde wurde von Reapern angegriffen, unser Held Shepard losgeschickt, um die Völker der Galaxie, die ebenfalls eine Invasion erlebten, zu vereinen und die Bedrohung durch diese synthetische Rasse abzuwehren, die alle 50.000 Jahre auftauchte, um alles organische Leben zu vernichten. Pläne für eine Waffe, den Tiegel, wurden gefunden und alle arbeiteten fieberhaft daran, diese zu vollenden, bevor die Reaper ihr grausiges Werk vollenden können. Zuletzt stellt sich heraus, dass das einzige Teil, welches zur Vollendung der Waffe fehlt, ein Katalysator ist. Und dieser Katalysator stellt sich zum Schluss als die altbekannte Citadel heraus. Bevor die Allianzgruppen die Citadel allerdings sichern können, haben die Reaper die Weltraumstation schon besetzt und sie von ihrem ursprünglichen Ort ins Solsystem verschleppt, wo die Station geschlossen wird und als Auffangbecken für die unzähligen Menschen dient, die für den Bau eines neuen Reapers verflüssigt werden. Wie war das möglich? Der Unbekannte, oder auch TIM genannte (The Illusive Man) hatte als Chef des Cerberus Netzwerks mit den Reapern zusammengearbeitet in der irrigen Annahme, die Reaper würden die Menschen für ihre Hilfe bei der Ernte der intelligenten Organischen verschonen. Er war es auch, der den Allianzplan, die Citadel mit dem Tiegel zu verbinden, um die Reaper zu schlagen, an seine vermeintlichen Verbündeten weitergab und somit Shepard und seine Verbündeten dazu zwang, zur letzten Schlacht auf die Erde zurück zu kehren und die Citadel zu befreien, um das Ziel, nämlich die Reaper endgültig zu besiegen, doch noch erreichen zu können.
Der Showdown beginnt in London, denn die Reaper haben die gut bewachte Citadel direkt über der Stadt positioniert, von wo sie nur über einen Energiestrahl zu erreichen ist. Dieser ist nun das Ziel von Shepard und seinen Kameraden. Es gilt, das hart umkämpfte London zu durchqueren, etliche Angriffe durch Husks, Destroyer und Banshees zu überleben und schließlich einen Reaper zu zerstören, der direkt vor dem Energiestrahl die Stellung hält und dadurch jedem die einzige Zugangsmöglichkeit zur Citadel verwehrt. Kaum ist jedoch dieser ausgeschaltet, taucht ein neuer auf. Die Zeit wird knapp. Mit seinen beiden Teammates und einer Tankflotte stürmt Shepard auf den Strahl zu, unter ständigem Beschuss des Reaper. Letztendlich wird er getroffen und stürzt zu Boden.
Bis hierhin: so weit, so gut. Ab jetzt wird es allerdings in den Augen vieler unglaubwürdig.
Shepard erwacht, mit zerstörter Rüstung und einigen fiesen Schrammen und Wunden, die ihm nur ein Humpeln erlauben. Außer ihm scheint keiner aus der Angriffswelle überlebt zu haben. Quälend langsam und mit einer Waffe in der Hand machen wir uns auf den Weg zum Strahl, setzen noch einen Feind außer Gefecht und erreichen endlich den Strahl, der uns zur Citadel katapultiert. Oben angekommen, finden wir uns in einem langen Gang wieder, in dem sich an den Seiten menschliche Leichen Stapeln. Dann ein Funkspruch. Anderson lebt und ist Shepard gefolgt. Auch er hat es auf die Citadel geschafft, ist allerdings an einer ganz anderen Stelle als Shepard wieder materialisiert. Shepard quält sich durch den Gang und der einzige mögliche Weg führt zu einer Plattform, auf der Anderson eine Konsole entdeckt hat und schon auf Shepard wartet. Sie sind allerdings nicht allein. Der Unbekannte taucht auf und schafft es mühelos, Anderson und Shepard zu kontrollieren, was graphisch durch schwarze Schlieren, die in der Luft umher wehen, illustriert wird. Shepard versucht den Unbekannten, der im Gesicht sichtbare Zeichen von Reapertechnologie trägt, von seiner offensichtlichen Indoktrination durch seinen vermeintlichen Verbündeten zu überzeugen. Der Unbekannte zwingt Shepard dazu, auf Anderson zu schießen und droht schließlich damit, den Admiral selbst zu erschießen. Im letzten Augenblick gelingt es dem Commander dem allmählich zweifelnden Unbekannten eine Kugel zu verpassen.
Anderson stirbt mit den Worten auf den Lippen: „Gut gemacht, mein Sohn, ich bin stolz auf dich“.
Es gibt allerdings ein Problem. Der Tiegel, die ultimative Waffe gegen die Reaper, feuert nicht. Shepard, der auch stark verwundet ist, versucht das Kontrollpult zu erreichen, schafft es jedoch nicht. Er wird stattdessen mit einer Plattform auf eine höhere Ebene transportiert, wo schon jemand auf ihn wartet. Ein Wesen aus Energie, das von den meisten Spielern nur als Ghostchild bezeichnet wird und zufällig die Form des Kindes aufweist, welches Shepard bei seiner Flucht von der Erde hatte sterben sehen und das hinterher in seinen Alpträumen auftauchte. Dieses Ghostchild erklärt ihm, dass der Tiegel nicht feuern kann, weil er die Citadel ist. Das Kind gehörte anscheinend zu einer Rasse, die einst von Synthetics, die sie selbst geschaffen hatten, vernichtet wurden. Er kontrolliert die Reaper und sorgt dafür, dass sie alle 50.000 Jahre auftauchen, um alles organische Leben abzuernten und in Form von neuen Reapern zu konservieren, damit sie nicht eines Tages dasselbe Schicksal teilen, nämlich von selbst geschaffenen KIs vernichtet zu werden. ER lässt Shepard nun die Wahl, wie alles enden soll.
Shepard kann

a) die Reaper kontrollieren, stoppt so aber nicht endgültig den Erntezyklus, sondern beendet nur den jetzigen. Er selbst wird zum Reaper und stirbt letztendlich.

b) eine Synthese zwischen organischen und synthetischen Wesen initiieren. Dazu muss er sich in den Reaperstrahl werfen, der ihn zersetzt und sein Wesen zu einer neuen DNA umwandelt, mit der alle infiziert und somit halb synthetisch, halb organisch werden. Der Zyklus ist damit durchbrochen, aber Shepard stirbt.

c) die Reaper vernichten und mit ihnen alles Synthetische. Der Zyklus ist gebrochen, die Reaper, aber auch EDI und die Geth hören auf zu existieren. Shepard überlebt unter bestimmten Voraussetzungen. Man sieht in einer kurzen Sequenz eine zerstörte Panzerung unter Trümmern und eine N7 Hundemarke auf einem Brustkorb, der sich kurz hebt.

Der Abspann aller drei Varianten unterscheidet sich nur minimal durch den Einsatz unterschiedlicher Farben. Am Ende crasht die Normandy immer auf einem erdähnlichen Planeten und je nachdem, wie Shepard sich entschieden hat, steigen unterschiedliche Personen aus dem gestrandeten Raumschiff. Bei der Synthese Joker, EDI und Shepards Love Interest (wobei man anhand gold-grüner Schaltkreise an Jokers Körper die Auswirkungen der Synthese gut beobachten kann), in den beiden anderen Varianten immer Joker und zwei andere Kameraden, im Fall der Zerstörung der Reaper jedoch nie zusammen mit EDI. Dann Credits und eine kurze Szene, in der zwei Personen in weiter Zukunft über die Ereignisse sprechen, anscheinend ein Großvater mit seinem Enkel, der begierig ist, noch eine Geschichte von Shepard zu hören und fragt, ob es damals wirklich so gewesen ist.

Das war in groben Zügen das Ende. Ein Ende, das nicht nur ratlos macht, sondern wütend und nicht nur mich maßlos enttäuscht. Wer sind die beiden Personen aus dem Abspann? Waren die ganzen drei Mass Effect Teile etwa nur eine Gute-Nacht-Geschichte, die ein Großvater seinem Enkel erzählt hat, dazu noch mit der Einschränkung, dass einiges noch ein wenig anders gewesen ist, als der Großvater dem Enkel berichtet hat?
Es bleiben viele Fragen offen, die eigentlich zum Abschluss der Trilogie geklärt werden sollten. Stattdessen tauchen neue Fragen auf, die ein würdiges Ende der Trilogie verhindern.
Besonders übel stößt die Tatsache auf, dass man nicht erfährt, was aus den ganzen anderen Kameraden geworden ist. Was geschah mit Tali, Garrus, Wrex, Samantha und all den anderen? Warum tauchen aus der abgestürzten Normandy plötzlich Personen auf, die zuvor auf der Erde noch mit Shepard auf den Strahl zu gerannt sind und anscheinend nicht überlebten? Wieso flieht Joker mit der Normandy? Wollte er sich nicht den kämpfenden Luftgruppen anschließen?

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Am schlimmsten jedoch sind die Plot-Holes und Logiklöcher. Als Shepard schwer verletzt erwacht, scheint er der einzige auf dem Feld zu sein, der überlebt hat. An Bord der Citadel jedoch erfährt er, dass es auch Anderson geschafft hat. Aber wie? Anderson soll nach eigener Aussage Shepard gefolgt sein. Warum ist er dann als erstes bei der Konsole? Welchen Weg hat er dahin genommen? Aus Shepards Sicht gibt es nur einen Weg zur Plattform, nämlich den seinen. Auch auf der Plattform selbst sieht man keinen anderen Zugang, als den, den unser Held genommen hat. Die Begegnung mit dem Unbekannten ist noch glaubwürdig realisiert, wenn man sein plötzliches aus dem Nichts auftauchen mit der Benutzung von Phantom-Technologie erklärt. Die Szene mit dem Ghostchild jedoch zerstört den Mass Effect Mythos endgültig. Es hat also die Reaper geschaffen, eine synthetische Rasse, um in regelmäßigen Abständen alles organische Leben zu vernichten – auch wenn er es als konservieren bezeichnet - , damit das organische Leben nicht von synthetischem vernichtet wird?
Was ist das für eine Logik?
Wir töten euch durch Maschinen, damit ihr nicht eines Tages von euren eigenen Maschinen getötet werdet? Nun, zumindest das Ergebnis ist immer dasselbe: man ist tot. Was für ein Schwachsinn! Mit solch einer Begründung und solch einem Ende wäre man bei jedem Drehbuchseminar nicht nur ausgelacht, sondern gleich hochkantig aus dem Kurs geworfen worden. Hätte nicht irgendjemand den Autoren beim letzten Teil die Joints wegnehmen können? Oder zumindest für bessere Ware = besseres Ende sorgen können?
Dazu kommen noch die unzähligen Versprechen, die Bioware gemacht und letztlich nicht eingehalten hat. Unzählige Enden, resultierend aus unseren in drei Spielen getroffenen Entscheidungen sollte es geben. Was davon blieb? Drei Wahlmöglichkeiten, die im Endeffekt durch minimale Abweichungen immer dasselbe zeigten. Abhängig von den im Spiel gesammelten War Assets gab es 16, sich geringfügig unterscheidende Enden; in einigen Fällen wurde die Erde zerstört, mal überlebte bei entsprechender Spielweise Admiral Anderson, die Reaper werden zerstört, dann wieder nicht etc.
Hier einige der Versprechungen bzw. Statements, die von, teilweise leitenden Bioware-Mitarbeitern im Vorfelde getätigt und nicht eingehalten wurden:

“I’m always leery of saying there are 'optimal' endings, because I think one of the things we do try to do is make different endings that are optimal for different people “

Ich bin immer misstrauisch zu sagen, es gibt "optimale" Enden, denn ich denke, eines der Dinge, die wir zu tun versuchen, ist verschiedene Enden zu machen, die optimal für verschiedene Menschen sind

Interview with Mike Gamble (Associate Producer)
http://www.computerandvideogames.com...issing-in-me2/

Kein Mensch verlangt optimale Enden, aber Spieler, die über mehrere Jahre mit ihrem Commander Shepard mitgefiebert und gelitten haben, dürfen zu Recht mehr erwarten, als drei Enden, die sich kaum unterscheiden und in denen sich unser Held nahezu immer opfern muss. Warum nicht ein Happy-End? Shepard überlebt, zieht sich jedoch aus dem aktiven Dienst zurück und wird nicht mehr gesehen? Beim Helden von Kirkwall in Dragon Age 2 hattet ihr doch auch kein Problem damit, dass der irgendwie lieb gewonnene Protagonist der letzten Szene ohne ein weiteres Wort den Rücken kehrt und verschwindet. Wo ist das ultimate worse scenario abgeblieben: die Reaper gewinnen auf ganzer Linie? Sollte angeblich auch möglich sein. Dazu passt auch noch folgende Erklärung:

“There are many different endings. We wouldn’t do it any other way. How could you go through all three campaigns playing as your Shepard and then be forced into a bespoke ending that everyone gets? But I can’t say any more than that…”

Es gibt viele verschiedene Enden. Wir würden es nicht auf eine andere Weise tun wollen. Wie könnten Sie durch alle drei Teile gehen und Ihren eigenen Shepard spielen, wenn sie dann in ein maßgeschneidertes Ende gezwungen werden, dass jeder bekommt? Aber ich kann nicht mehr als dass sagen ...

Interview with Mike Gamble (Associate Producer)
http://www.eurogamer.net/articles/20...e-people-angry

Da hatte wohl jemand den Mund zu voll genommen.

“[The presence of the Rachni] has huge consequences in Mass Effect 3. Even just in the final battle with the Reapers.”

[Die Anwesenheit der Rachni] hat enorme Konsequenzen in Mass Effect 3. Auch gerade in der letzten Schlacht mit den Reapern.

Interview with Mac Walters (Lead Writer)
http://business.financialpost.com/20...all-audiences/

Schlechter Witz. Es macht keinerlei Unterschied, ob ich die Rachnikönigin in ME2 gerettet oder getötet habe, wenn das Volk der Rachni in ME3 ohnehin von den Reapern umgewandelt und kontrolliert wird. Ich habe am Ende keinerlei Einfluss der Rachni auf die entscheidende Schlacht um die Erde und gegen die Reaper gesehen. Viele meiner Entscheidungen bleiben am Ende ohne Berücksichtigung. Ich habe die Genophage geheilt – wozu? Ich half Legion gegen die Heretics, nur damit er mir im dritten Teil in den Rücken fällt und ich mich zwischen Quarianern und Geth entscheiden muss? Zu welchem Zweck habe ich die ganzen War Assets zum Schutz der Citadel gesammelt, wenn ihre Existenz nichts daran ändert, dass die Menschen und anderen Galaxievölker an Bord der Citadel sterben?
Und mein Love Interest? Ich habe mich in ME3 für Steve Cortez entschieden, den Shuttlepiloten der Normandy, der seinen Ehemann auf Ferris Fields an die Reaper verloren hat und nun auch noch Shepard verliert. Wie unsensibel ist das, Bioware? Die erste offizielle schwule Beziehung in einem Spiel und dann habt ihr nichts Besseres zu tun, als diesem armen Cortez am Ende das Herz vollständig auseinander zu reißen? Shame on you! Auch für alle, die eine heterosexuelle Beziehung gewählt haben, dürfte ein solches Ende nicht gerade erfreulich sein, trifft es sie doch genauso hart wie Cortez.

Interviewer: [Regarding the numerous possible endings of Mass Effect 2] “Is that same type of complexity built into the ending of Mass Effect 3?”
Hudson: “Yeah, and I’d say much more so, because we have the ability to build the endings out in a way that we don’t have to worry about eventually tying them back together somewhere. This story arc is coming to an end with this game. That means the endings can be a lot more different. At this point we’re taking into account so many decisions that you’ve made as a player and reflecting a lot of that stuff. It’s not even in any way like the traditional game endings, where you can say how many endings there are or whether you got ending A, B, or C.....The endings have a lot more sophistication and variety in them.”

Interviewer: [Im Hinblick auf die zahlreichen möglichen Enden von Mass Effect 2] "Ist die gleiche Art von Komplexität im Ende von Mass Effect 3 eingebaut?"
Hudson: "Ja, und ich würde viel mehr sagen, weil wir die Fähigkeit besitzen, die Enden in einer Weise zu bauen, dass wir keine Angst davor haben brauchen, sie schließlich irgendwo wieder zusammen binden zu müssen. Dieser Handlungsstrang kommt mit diesem Spiel zu einem Ende. Das bedeutet, dass die Enden sehr unterschiedlich sein können. An diesem Punkt werden wir unter Berücksichtigung so vieler Entscheidungen, die Sie als Spieler gemacht haben viel von dem reflektieren. Es ist nicht in irgendeiner Weise wie die traditionellen Spielenden, wo man sagen kann, wie viele Enden es gibt, oder ob du nur Ende A, B, oder C bekommst.... Die Enden werden viel mehr Raffinesse und Vielfalt haben. "


http://www.gameinformer.com/b/featur...ostPageIndex=2

Zu dieser Behauptung gibt es nur diese Antwort zu posten:

http://www.witchers-journal.de/media/content/wn22_me3_failbyakael

Big fail, Bioware.

Es gibt noch andere Zitate, die ich an dieser Stelle anbringen könnte, doch die würden den Umfang dieses ohnehin schon zu langen Artikels sprengen.
Gibt es noch Hoffnung?
Vielleicht. Im offiziellen Bioware Social Network wurde eine Fan-Umfrage gestartet, in der man seine Meinung zum Ende von Mass Effect 3 kundtun konnte. Die drei Möglichkeiten sind:

a) Endings suck, we want a brighter one. (Die Enden sind sch..ße, wir wollen ein besseres)

b) Endings are fine, we just want the Normandy strand on Earth or somewhere near Shepard. ( Die Enden sind gut, wir wollen nur, dass die Normandy auf der Erde strandet oder irgendwo in der Nähe von Shepard)

c) Fine as it is. (Gut wie es ist)

Das bisherige Ergebnis bis heute (17.03.2012 um kurz vor 09.00 Uhr) ist eindeutig: mittlerweile 91% (48851) stimmten für a), 7% (3527) für Antwort b) und lediglich 2% (1120), Antwort c), scheinen mit den Enden zu 100% zufrieden zu sein.
Es gibt allerdings Stimmen in den verschiedensten Foren, die bei 3,5 Millionen ausgelieferten Exemplaren die statistische Relevanz von gut 50.000 Stimmen gegen das von Bioware vorgesetzte Ende bezweifeln. Wobei gerne die Regeln der Statistik außer Acht gelassen werden. In Deutschland sind zum Beispiel von 82 Millionen Menschen insgesamt über 61 Millionen wahlberechtigt. Bei den Umfragen zu den Wahlen, die erstaunlich genau sind und nur marginal vom Endergebnis abweichen, werden nicht selten nur ca 1500 Personen befragt. Diese Zahl reicht schon aus, damit eine Umfrage repräsentativ ist, d.h. auf die Mehrheit der Bevölkerung hoch gerechnet werden kann. Und da versucht mir jemand zu erzählen, dass 50.000 unzufriedene Kunden (alle dazu noch aus dem Bioware eigenen Forum!) nicht repräsentativ für 3,5 Millionen potentielle Käufer sein sollen?
Wie wird es weiter gehen?
Angeblich plant Bioware einen DLC mit dem Namen „The Truth“, in dem man das Ende von Mass Effect 3 fortsetzen können soll, auch wenn man sich zur Zeit nicht all zu viel darunter vorstellen kann, außer man folgt der Theorie einiger Spieler, dass Shepard nie auf der Citadel war, sondern die letzten fünf Minuten lediglich den Versuch der Reaper darstellen, Shepard durch Indoktrination dazu zu bewegen, die Reaper nicht zu vernichten. In Wahrheit liegt Shepard ohnmächtig, vom Strahl des Reapers gestreift unter Trümmern auf der Erde, was auch seinen Atemzug erklären würde, den er im günstigsten Fall bei der Vernichtung der Reaper = Scheitern der Indoktrination tut. Einiges spricht dafür. Anderes dagegen.
Selbst wenn sich am Ende noch etwas am Ende tun sollte, so ist das PR Desaster für Bioware und EA aus meiner Sicht bereits katastrophal. Nicht abzusehen, wie sich die Spielermassen wütend erheben werden, sollte es sich tatsächlich als wahr herausstellen, dass Bioware und EA das richtige Ende zurückgehalten haben, um es als kostenpflichtigen DLC an den Spieler bringen zu können. Das wäre eine Taktik, die zumindest Bioware ruinieren würde, besonders in Hinsicht auf Dragon Age 3, das ja bereits in der Mache ist.
Die Macher von Mass Effect 3 halten sich übrigens auffallend mit Kommentaren zur allgemeinen Diskussion zurück. Lediglich einige kryptische Nachrichten über Twitter und andere Stellen sind zu vernehmen, die allerdings die Spieler mehr verwirren als aufklären. Zurzeit ist nicht erkennbar, ob dies tatsächlich dezente Hinweise auf einen kommenden WOW-Effekt sein sollen, der alle zufrieden stellen wird, oder ob hier nur schlechte PR geleistet wird, um die Panik in den Zentralen von Bioware und EA zu verschleiern, die von dem massiven negativen Feedback der Spieler ausgelöst wurde. Wir werden es wahrscheinlich erst erfahren, wenn auch die Spieler in Asien ihre Meinung zu Mass Effect 3 abgeben können. ES würde mich nicht wundern, wenn es ähnlich vernichtend ausfallen würde wie in der übrigen Welt.
So bleibt mir als Schlusswort nur folgendes zu sagen:

Fool me once, Bioware, shame on you, fool me twice, shame on me!
Einmal hast du mich reingelegt, Bioware, ein zweites Mal gelingt dir das nicht!

(Dan)

http://www.witchers-journal.de/media/content/wn22_me3_05_s


http://www.witchers-journal.de/media/content/wn22_me3_01_s




Witchers News, Jg. 4, Nr. 22 vom 01.04.2012, S. 28-41


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